Der Mörder muss nicht der Gärtner sein

LGS-Förderverein: Elinor Bicks las im Gartenschaupark aus ihrem aktuellen Gartenkrimi 'Nimmergrün' - Waldsterben und Liebesleid - aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 151, Dienstag, 4. Juli 2017 - von Peter Lahr.

Wo könnte man einen Gartenkrimi besser genießen als im Freien an einem Sommertag? Dank des rührigen Engagements des Landesgartenschau-Fördervereins wurde diese ideale Kombination dieser Tage Realität. Unter der Buche in den Bürgergärten stellte die Frankfurter Autorin Elinor Bicks ihren dritten Lore-Kukuk-Roman vor.

In 'Nimmergrün' ist es ein rätselhaftes Waldsterben, das ein ungleiches Ermittlerteam auf den Plan ruft. Da ist zum einen die familiär vorbelastete 'Kräuterhexe' Lore Kukuk, bei der schon mal ein toter Verehrer im Bett landen kann. Bei soviel Esprit geht mitunter sogar Kommissar Roland Otto in die Knie. Nicht nur, um botanische Studien zu betreiben. Ihm hat zumindest Lores Lavendelwein die Sinne vernebelt. Oder hatte da gar Amor die Finger im Spiel?

Reichlich Lokalkolorit um die hessische Veste Otzberg, allerlei tödliche Gartengeheimnisse und nicht zuletzt das nie zusammenkommende Paar bilden die Zutaten für eine locker-leicht dahin geschriebene Geschichte. 'Bei mir dreht sich alles um Gift- und Heilpflanzen' verriet die Autorin zu Beginn der Lesung unter freiem Himmel. Sie sei zwar nicht so die Gärtnerin, offenbarte die studierte Romanistin. Doch nicht zuletzt über diverse Lesungen im Freien habe sie ihre Kenntnisse in den vergangenen vier Jahren erheblich erweitern können. Fachlichen Beistand suche sie allerdings dennoch bei einem Toxikologen und einer Pharmazeutin.

In den Plot um das rätselhafte Waldsterben flicht die Autorin noch ein Kapitel Kulturgeschichte ein. Denn tatsächlich siedelten in Rohrbach-Wembach-Hahn um 1700 etwa 240 Waldenser an. Mit ihren modernen Gartenbaumethoden bis hin zur Grünen Soße und dem Anbau der Kartoffel mischten sie die alteingesessenen Bewohner kräftig auf. Sorgen die Nachfahren der Reformatoren aus Norditalien 300 Jahre später noch dafür, dass sich die Ereignisse überstürzen? Denn just, als ein entsprechender Lehrpfad massentouristisch erschlossen wird, stirbt zunächst der Wald. Dann verenden einige Tiere auf der Weide, und zum Schluss endet ein Survival-Trip für zwei Kinder tödlich.

Als hätte der Kommissar mit dem Fall nicht schon genug zu tun, muss er sich einer aufdringlichen Liebschaft erwehren - was ihm im Gegenzug einen bissigen Dackel aus dem Tierheim einbringt. Der Leser, bzw. die Zuhörerin, begleitet den Fahnder aber auch beim philosophischen Holzhacken.

Für Heiterkeit sorgen zudem die geheimen Gedanken eines braven Försters. Statt sich der Moossorten-Poesie hinzugeben, muss er eine Delegation 'Sesselfurzer' durch sein Revier führen. Und Lore Kukuk? Die muss ihr Gelübde brechen und sucht im Kräuterbuch der Oma Rat. Diesmal allerdings will sie genau aufpassen, dass keine halluzinatorischen Nebenwirkungen auftreten.

Wer der Täter ist -also jenseits des Wirkstoffs - verriet Elinor Bicks natürlich nicht. Aber alle weiteren Fragen um ihre Gartenkrimi-Serie beantwortete sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

'Das Buch passt zu uns in den Park', bedankte sich die LGS-Fördervereinsvorsitzende Birgit Dallinger nicht nur bei der Autorin, sondern auch bei der Buchhandlung Kindlers sowie all den fleißigen Helfern, die die Lesung erst ermöglichten.