Gräser im Lauf der Jahreszeiten

LGS-Förderverein lud zum Vortrag über Präriestauden ein - aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 249 vom 28.10.2014 und aus Stadtanzeiger 'Mosbach' Ausgabe 43 vom 24.10.2014 - Text von Dorothee Lindenberg, Fotos von Till Hofmann.

'Ein Garten ist nicht einfach da, er entwickelt sich.' Für Till Hofmann ist Entwicklung ein Schlüsselwort. Der Staudengärtnermeister vom Hermannshof in Weinheim war auf Einladung des LGS-Fördervereins nach Mosbach gekommen, um über Entwicklung und Pflege der Präriepflanzungen der vergangenen zehn Jahre im Schau- und Sichtungsgarten dort zu berichten. Anhand zahlreicher Beispiele stellte er die Pflanzungen im Jahresverlauf vor, gab Tipps und Anregungen für ihre Verwendung auch im Hausgarten.

Prärie-Hofmann 2   Sonnenwend-Hofmann 3 Fotos: Hofmann, Hermannshof

Der ehemalige Privatgarten der Industriellenfamile Freudenberg umfasst 2,3 Hektar. Etwa ein Hektar ist Staudenversuchsfläche. Zum Schau- und Sichtungsgarten umgestaltet, ist er seit 1983 der Öffentlichkeit zugänglich. Mit einer guten Handvoll Gärtner, Auszubildenden und Praktikanten widmet sich der Hermannshof unter Leitung von Landschaftsarchitekt Cassian Schmidt der Gartenpflege, erprobt ästhetisch hochwertige Dauerpflanzungen, experimentiert mit der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Pflanzenverwendung und sichtet Staudensortimente und ihre Verwendung. Daneben wird dokumentiert und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. 'Anders gesagt, wir schauen, was wächst miteinander', fasst Hofmann seine tägliche Arbeit in Worte.

Dabei nehmen sich die Weinheimer Gärtner eine naturalistische Wirkung als Vorbild und setzen auf natürliche Pflanzengesellschaften. Die Pflanzen sind also durchaus Konkurrenten, die sich auch selbst überlassen bleiben. 'Es soll so aussehen, als wäre nie ein Gärtner drin gewesen', erklärt Hofmann das Ziel dieser Gartengestaltung. Viel gärtnerisches Einfühlungsvermögen und stetes Lernen sei notwendig, damit die Präriegräser, die Sonnenhüte mit und ohne Baströckchen, die Mädchenaugen und Astergemeinschaften zusammenspielen.

Prärie-Hofmann 1 Foto: Hofmann, Hermannshof

Angestrebt seien stabile, langlebige und ästhetische Pflanzengemeinschaften, die mit reduziertem Pflegeaufwand - in Weinheim sind es sechs bis sieben Minuten pro Quadratmeter im Jahr - auskommen. Es sei ein Ein- und Ausatmen, sagt der Gartenfachmann, ,wenn sich mal die einen, mal die anderen besser entwickeln'. Trockenstress ist den feuererprobten Präriestauden, die ihre Heimat im Mittleren Westen der USA haben, stets willkommen. 'Regulieren' müsse der Gärtner nur in feuchten Jahren. Im Hermannshof werde fast gar nicht gewässert und überhaupt nicht gedüngt, so Hofmann, ,denn die Pflanzen stehen buchstäblich auf magere(n) Böden'. Eine Kiesschicht zu ihren Füßen verhindere die Keimung von Unkräutern. Damit der Schaugarten auch im späten Gartenjahr seinen Reiz behält, wird im Hermannshof nur zurückgeschnitten, ,was zu viel ist oder was als Fruchtstand nicht gefällt'. Erst wenn die die Pflanzungen ergänzenden Zwiebelgewächse im Frühjahr ans Licht drängten, werden die alten Gräser geschoren, um feinen Halmen Platz zu machen. Abgebrannt wie im Amerika der Indianer werden sie aber schon lange nicht mehr. Mit ihrer natürlichen Anmutung, ihrer Anpassungsfähigkeit und Robustheit sehen Präriestauden im Hausgarten also durchaus einer (großen) Zukunft entgegen und sind ,viel mehr als nur ein Trend', waren sich Gärtner und Gartenliebhaber am Ende des Vortrags begeistert einig. - Text von Dorothee Lindenberg, Fotos von Till Hofmann.